Individualismus und kreative Selbstbehauptung sind zwar längst Teil eines allgemeinen Werte-Dispositivs. Doch die Unhöflichkeit, Unversöhnlichkeit und Hartleibigkeit, die Unredlichkeit und der mangelnde Respekt, mit der öffentliche Differenzen zunehmend ausgefochten werden, könnten Indizien dafür sein, wie herausfordernd es in Zeiten optimierter Selbstverwirklichung geworden ist, Eigensinn und Gemeinsinn im Gleichgewicht zu halten. Kann man diese Balance in einer zersplitterten Gesellschaft wieder herstellen, ohne ihre individuelle Freiheit konservativ rückabzuwickeln?

Hält man es mit Richard Sennett, dann ist Kooperation weniger ein glücklicher Umstand als ein soziales, kultivierbares Handwerk und ein Werkzeug hierfür eher das dialogische als das dialektische Gespräch. Ersteres berge eher die Freiheit, mit Menschen, die einem fremd sind, deren Ansichten man nicht teilt, die man vielleicht noch nicht einmal mag, zu einer Austauschbeziehung zu kommen, die Widersprüche nicht zwanghaft auflösen muss und dennoch für beide Seiten bereichernd sein kann. 

Balances führt ein Ritual auf, das eine dialogische Begegnung mit den Zuschauern eröffnet und die Bedingungen, Freuden und Müh’ von Kooperationen erforscht.

Das vorgezeichnete Schicksal einer Figur, die mürbe ist vom Kampf der Selbstbehauptung wird dafür in ein offenes Narrativ transformiert und dieses gemeinsam neu ‚geschrieben‘. Dabei wird die performative Gestalt der Figur als Kristallisationspunkt verschiedener Interpretationen zur kooperativen Verhandlungsmasse zwischen Zuschauern und dem verkörpernden Performer während der Aufführung.

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Diese finale Produktion soll in naher Zukunft den Projektzyklus abschließen, zu dem bereits auch „Ein Tisch ist ein Tisch“ und „Phantasie allein ist auch keine Lösung“ gehören. Ein Theater-Performance-Hybrid, der jene Mischung aus Klanginstallation und (Post-)Dramatischem noch radikaler mit Elementen der Performance Art durchwirkt.

Spiel/Performance: Wowo Habdank
Konzept/Regie/Bühne: Malte Knipping