Eine Research-Inszenierung, die Klanginstallation, dramatisches und postdramatisches Figurenspiel miteinander verbindet.

Was braucht es für ein gelingendes Leben? Selbstbestimmtheit. Ja. Das Sprechen mit eigener Stimme. Ja, schon. Aber wenn ich garnichts sagen möchte?! Wenn ich eigentlich nur mal berührt werden möchte; von einer Musik, einer Idee, einem Schlag, der mich trifft, einem Menschen, der sich in mich verliebt, von einem Impuls, der mich zwingend durchwirkt, transformiert, überwältigt …vom So-Sein.
Wenn das Rad der Ich-Produktion mal hängen bleibt, werd ich dann unsichtbar? Kackgrau? Wie individuell, kreativ und toll muss ich sein, um die Aufmerksamkeit der Welt zu verdienen? Muss ich die Sprache neu erfinden? Oder reicht es, wenn ich einfach mal atme?

Diese Produktion ist aus einer früheren Inszenierung zu Peter Bichsels Kurzgeschichte „Ein Tisch ist ein Tisch“ hervorgegangen. Wir teilen mit den Figuren nun all unser Wissen über sie und so beginnen diese, Aufführung für Aufführung gegen die starre dramatische Klammer ihres narrativen Schicksals zu rebellieren. Sie wehren sich zwar gegen die für sie festgeschriebenen tragischen Handlungsstrategien. Doch zu unsicher, unentschlossen… wie ein Winden und Verspannen in einem zu kratzigen Wollpulli bleibt der Schritt in die Welt im verschwitzten Körper dadrunter stecken. Erst mit dem Ermüdungsbruch beginnt der Defätismus aus den Knochen zu weichen und ein erstes Tasten nach dem Sein-Lassen erlaubt einen Blick auf die Welt, die wir sein könnten.

Ich denke mit Byung Chul Han an Handkes ‚Versuch über die Müdigkeit‘. „Die tiefe Müdigkeit lockert die Klammer der Identität. Die Dinge flimmern, schimmern und zittern an ihren Rändern. Sie werden unbestimmter, durchlässiger und verlieren etwas von ihrer Entschlossenheit. […] Die starre Abgrenzung gegenüber anderen wird aufgehoben. […] Diese Müdigkeit stiftet eine tiefe Freundlichkeit und macht eine Gemeinschaft denkbar, die weder der Zugehörigkeit noch der Verwandtschaft bedarf.“

Aufführungen am 9.-11. Februar 2017 im MUCCA, München
Spiel/Performance: Wowo Habdank
Regie und Bühne: Malte Knipping
Kostüme: Yvonne Kalles
projekt_gefoerdert_schwarz  Gefördert 2017 vom Kulturreferat München